Waldorf-Kindergarten

Die Waldorfpädagogik gehört zu den bekanntesten Vertretern unter den Kindergarten-Konzepten und erfreut sich allgemein großer Beliebtheit. Sie gilt als Reformpädagogik und wurde zu Beginn der 1920er-Jahre von Rudolf Steiner konzipiert.

Ein Schwerpunkt der Waldorfpädagogik besteht darin, dass sie sich auf ein anthroposophisches Menschenbild stützt. Anders als viele andere pädagogische Ansätze wurde die Waldorfpädagogik jedoch nicht nach ihrem Begründer benannt, sondern verdankt ihren Namen dem Umstand, dass Steiner sie an einer Stuttgarter Betriebsschule für den Nachwuchs der Mitarbeiter der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik entwickelte.

Am Anfang stand somit die Waldorfschule, wobei der pädagogische Ansatz später auch auf den Kindergarten übertragen wurde, wodurch mehr und mehr Waldorf-Kindergärten entstanden. Heute existieren vielerorts solche nach der Waldorfpädagogik ausgerichteten Kindergärten. In mehr als 1.800 Kindergärten weltweit wird so mittlerweile die Waldorfpädagogik praktiziert, wobei allein über 550 Waldorfkindergärten in Deutschland zu finden sind.

Philosophie und Grundlagen der Waldorfpädagogik

Eltern, die einen Kindergartenplatz für ihren Nachwuchs suchen, und auch Erzieher/innen haben mit Sicherheit bereits von der Waldorfpädagogik gehört, stellen sich aber zugleich die Frage, was dieses Kindergarten-Konzept ausmacht. Um dies zu ergründen, sollte man die Philosophie der Waldorfpädagogik genauer betrachten und sich zugleich mit den Grundlagen befassen. Grundsätzlich ist erst einmal festzuhalten, dass es in der Waldorfpädagogik um ein anthroposophisches Menschenbild geht. Dieses stellt den Menschen in den Mittelpunkt und betrachtet diesen in Relation zur Gesellschaft, Kultur und Natur. Dabei wird zwischen den folgenden vier Wesensgliedern des Menschen unterschieden:

  • Physischer Leib
  • Ätherleib
  • Astralleib
  • Ich

Zugleich sieht die Waldorfpädagogik ebenfalls eine Dreigliederung des Menschen vor und differenziert zwischen Geist, Seele und Leib. Aus dieser Dreigliederung ergibt sich zudem eine Unterscheidung der Seelenfähigkeiten in Denken, Fühlen und Wollen. Die Waldorfpädagogik nimmt den Menschen und seine Entwicklung folglich auf verschiedenen Ebenen wahr und betrachtet ihn dabei ganzheitlich.

Das pädagogische Konzept von Waldorf-Kindergärten

Zentrale Grundsätze der Waldorfpädagogik, die auch in entsprechenden Kindergärten maßgebend sind, sind:

  • Freiheit der Kultur
  • Brüderlichkeit
  • Gleichheit

Die soziale Dreigliederung ist folglich ein zentraler Leitfaden der Waldorfpädagogik und bestimmt den pädagogischen Ansatz entsprechender Kindergärten. Zunächst klingt all dies noch recht theoretisch, so dass sich viele Mütter und Väter nur schwer vorstellen können, was ihr Kind in einem Waldorf-Kindergarten konkret erwartet. Grundsätzlich ist es dann ratsam, das Gespräch mit dem jeweiligen Träger und vielleicht auch der einen oder anderen Erzieherin zu suchen. Im Zuge dessen wird rasch deutlich, dass die Nachahmung ein zentraler Punkt ist. Kinder sind von Natur aus neugierig und ahmen so ihre Umwelt nach. Genau hier setzt die Waldorfpädagogik im Kindergarten an. Die Erzieher/innen sind sich ihrer Vorbildfunktion folglich in besonderem Maße bewusst. Gleichzeitig wird die ganzheitliche Entwicklung gefördert, wobei den Sinnen ein besonders hoher Stellenwert zukommt. Kreativität, Musik und auch praktische Fähigkeiten sollen hier aktiv gefördert werden. Dafür sorgt der feste Tagesablauf im Kindergarten, der auch aus einigen Eurythmie-Einheiten besteht.

Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass in Waldorf-Kindergärten die Kreativität betont wird. Zugleich spielt das Lernen durch Nachahmen eine zentrale Rolle im Kindergarten-Alltag.

Die Geschichte der Waldorf-Pädagogik

1919 eröffnete die Betriebsschule für die Kinder der Mitarbeiter der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart und bot Rudolf Steiner eine Plattform zur Entwicklung und Einführung seiner eigenen Reformpädagogik. Auf diese Art und Weise entstand zu Beginn der 1920er-Jahre die Waldorfpädagogik. In den folgenden Jahren entstanden immer mehr Schulen nach dem Konzept von Rudolf Steiner, das ebenfalls in immer mehr Kindergärten Anwendung fand.

Im In- und Ausland fanden sich so immer mehr Anhänger der Waldorfpädagogik, die in ihren Anfangsjahren einen regelrechten Boom erlebte. Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg bereiteten der Erfolgsgeschichte der Waldorfpädagogik jedoch ein jähes Ende. In der Nachkriegszeit erholte sie sich allerdings wieder. Ein Meilenstein in der Geschichte der Waldorfpädagogik war zudem die Gründung des Instituts für Waldorf-Pädagogik in Witten im Jahr 1973.

Was sind die Vorteile eines Waldorf-Kindergartens?

Die Waldorf-Pädagogik wird durchaus auch kritisiert und kennt nicht nur Befürworter. Als Nachteile werden die hohe Spiritualität, die Fokussierung auf den Erzieher sowie die höheren Kosten genannt. Im Gegenzug gibt es aber auch einige Aspekte, die für den Besuch eines Waldorf-Kindergartens sprechen. Da es um keinen Abschluss geht, muss man sich keine Sorgen bezüglich der Anerkennung machen. Stattdessen bietet die Waldorf-Pädagogik im Kindergarten die Gelegenheit, musikalische und künstlerische Talente früh zu erkennen und zu fördern. Zudem wissen viele Eltern den engen Bezug zur Natur sehr zu schätzen.

Kritik an Waldorfkindergärten

Die vielseits gelobte Waldorfpädagogik gerät allerdings auch immer wieder in die Kritik und wird nicht von allen bedingungslos befürwortet. Eltern, die einen geeigneten Kindergarten für ihren Nachwuchs suchen, sollten dies wissen und die verschiedenen pädagogischen Konzepte vergleichen. Dazu gehört es unter anderem auch, die etwaigen Nachteile eines Waldorfkindergartens zu berücksichtigen. In der Regel werden hier vor allem die folgenden Kritikpunkte angeführt:

  • Nicht alle Eltern stimmen mit der anthroposophischen Weltanschauung der Waldorfpädagogik überein, wodurch auch immer wieder Kritik laut wird.
  • Im Waldorfkindergarten sind die Erzieher/innen die zentralen Vorbilder für die Kinder, was bei den Eltern oftmals ein Kritikpunkt ist.
  • Die ideellen Grundlagen der Waldorfpädagogik sind teilweise umstritten.
  • Dass mechanisches und elektronisches Spielzeug in Waldorfkindergärten nicht vorhanden ist, wird in Zeiten des digitalen Fortschritts als nicht mehr zeitgemäß betrachtet.
  • An Waldorfkindergärten wird vielfach kritisiert, dass die Kinder nicht angemessen auf die oftmals strengen Regeln in der Schule sowie im späteren Beruf vorbereitet werden.
  • Strenge und monotone Tagesabläufe missfallen vielen Menschen am Waldorfkindergarten.
  • Die oftmals höheren Kosten eines Waldorfkindergartens werden ebenfalls vielfach kritisiert.

Kosten im Waldorfkindergarten

Dass ein Waldorfkindergarten im Vergleich zu kommunalen Kindertagesstätten und Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft teurer ist und folglich höhere Elternbeiträge erfordert, ist allgemein bekannt. Maßgebend dafür ist der Umstand, dass sich der Kindergarten in privater Hand befindet und folglich selbst finanzieren muss.

Eine öffentliche Finanzierung beispielsweise durch die Kommune ist nicht möglich. Dementsprechend werden die Kosten an die Eltern weitergegeben, die somit für den Waldorfkindergarten tiefer in die Tasche greifen müssen. Wie hoch die Kosten für den Besuch eines Kindes im Waldorfkindergarten schlussendlich ausfallen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang unter anderem die folgenden Aspekte:

  • Betreuungszeiten
  • Verpflegung
  • Alter des Kindes
  • Zahl der Geschwisterkinder

Zusätzlich macht es auch einen großen Unterschied, ob sich der Waldorfkindergarten komplett selbst finanzieren muss oder vielleicht doch subventioniert wird. Aufgrund all dieser Einflussfaktoren können die monatlichen Kosten für einen Waldorfkindergarten stark variieren. Die Elternbeiträge können so beispielsweise zwischen 100 Euro und 500 Euro im Monat liegen.

Die Weiterführung des Waldorfkindergartens in einer Waldorfschule

Eltern, die von der Waldorfpädagogik überzeugt sind und im Waldorfkindergarten gute Erfahrungen gemacht haben, haben vielfach den Wunsch, dass ihr Kind auch nach dem Schuleintritt weiterhin in den Genuss in die seinerzeit von Rudolf Steiner gegründete Waldorfpädagogik kommen. Dies gelingt am besten, indem das Kind anschließend eine Waldorfschule besucht. Dort findet eine Weiterführung des Waldorfkindergartens statt, der sich häufig nebenan befindet.

Historisch gesehen stand die Waldorfschule ohnehin am Anfang, denn Rudolf Steiner entwickelte sein pädagogisches Konzept ursprünglich für Schulen. Im Laufe der Zeit wurde der Ansatz aber auch auf den Elementarbereich übertragen, so dass auch Waldorfkindergärten entstanden.

Welche Spielzeuge kommen im Waldorf-Kindergarten zum Einsatz?

Im Waldorf-Kindergarten geht es in besonderem Maße darum, die Fantasie der Kinder zu beflügeln. Elektronische Spielzeuge sowie unnatürliche Materialien werden hier als störend empfunden, was aber keineswegs einen grundsätzlichen Verzicht auf Spielzeug im Waldorf-Kindergarten bedeutet.

Stattdessen bedient man sich aber in der Natur und spielt beispielsweise mit Steinen und Stöcken. Ansonsten kommt noch hochwertiges Holzspielzeug zum Einsatz und sorgt für pädagogisch wertvolle Unterhaltung.

Wie läuft der Alltag in einem Waldorf-Kindergarten ab?

Wer selbst keinen Waldorf-Kindergarten besucht und auch ansonsten keine Berührungspunkte mit der Waldorf-Pädagogik hat, stellt sich oftmals die Frage, wie der entsprechende Kindergartenalltag aussieht. Trotz der freiheitlichen Orientierung bricht hier keineswegs das Chaos aus, denn es hat durchaus alles seine Ordnung. In vielen Waldorf-Kindergärten gibt es feste Strukturen, die unter anderem eine Aufteilung des Vormittags vorsehen. Körperliche Aktivitäten, das bewusste Denken und das Sprechen haben somit ihre Zeiten und werden dadurch ganz bewusst wahrgenommen.

Eine feste Säule ist allerdings immer das Freispiel, das den Kindern die Gelegenheit bietet, frei zu spielen. Vorgaben seitens der Erzieher/innen sind hier nicht vorgesehen, wobei die Erwachsenen durch ihre Aktivitäten durchaus Anreize und Ideen geben. Nicht selten nehmen sich die Kinder die Erzieher zum Vorbild und eifern diesen im freien Spiel nach.

Gemeinsame Mahlzeiten sowie das gemeinschaftliche Aufräumen dürfen ebenfalls nicht fehlen. Doch bei all diesen Gelegenheiten sollen die Kinder zu einem eigenverantwortlichen Handeln geführt werden und nicht bloß die Anweisungen der Erzieher/innen befolgen.