Waldkindergarten: Ablauf, Vorteile und was zu bedenken ist
Von der kindergarten.info-Redaktion · zuletzt bearbeitet im August 2026
Nachdem der Waldkindergarten zunächst Eltern in Skandinavien begeisterte, entstand auch hierzulande eine große Anhängerschaft dieses Konzeptes, so dass heute zahlreiche Waldkindergärten in Deutschland existieren. In diesem Zusammenhang ist zuweilen auch von Naturkindergärten die Rede. Im Fokus steht dabei stets, die Kinder an die Natur heranzuführen und ihnen ein möglichst naturnahes Aufwachsen zu ermöglichen. Tagtägliche Begegnungen mit der Natur stehen hier auf dem Plan und unterscheiden den Waldkindergarten von anderen Kindergärten.
Auf dieser Seite
- Philosophie und Grundlagen der Waldpädagogik
- Die Geschichte der Waldpädagogik
- Wie ein Waldkindergarten arbeitet
- Ein typischer Vormittag
- Was Kinder dort lernen
- Die Vorteile von Waldkindergärten
- Was zu bedenken ist
- Häufige Fragen
- Was passiert bei schlechtem Wetter?
- Wo gehen die Kinder auf die Toilette?
- Sind Zecken ein Problem?
- Sind Waldkinder in der Schule im Nachteil?
- Gibt es auch Waldgruppen an normalen Kitas?
Philosophie und Grundlagen der Waldpädagogik
Waldkindergärten kommen vielfach als Kindergärten ohne Dach und Wände daher, denn die Aktivitäten finden fast ausschließlich im Freien statt. So sind die Kinder gemeinsam mit ihren Erzieher/innen draußen unterwegs und erkunden Wald und Flur. Mitunter sind auch Wiesen oder Strände das Terrain, in dem sich die Kinder bewegen. Dies hängt in erster Linie von den örtlichen Gegebenheiten ab.
Trotz aller Naturverbundenheit steht solchen Waldkindergärten auch ein Unterschlupf zur Verfügung, in den sie sich zurückziehen können, wenn ein sicherer Aufenthalt im Freien aufgrund der akuten Wetterverhältnisse nicht möglich ist. Ansonsten sind die Kinder bei Wind und Wetter draußen. In Deutschland ist ein beheizbarer Unterschlupf als Schutz zwingende Voraussetzung für jeden Waldkindergarten. An dem Umstand, dass der Kindergartenalltag unter freiem Himmel stattfindet, ändert dies jedoch nichts.
Die Geschichte der Waldpädagogik
Viele Menschen haben heutzutage den Eindruck, Waldkindergärten seien eine recht neue Erfindung. Dazu führt unter anderem der Umstand, dass in Deutschland immer mehr Waldkindergärten entstehen. Wer sich aber ein wenig einliest, stellt rasch fest, dass das Konzept des Waldkindergartens in den 1950er-Jahren entstand und von Ella Flatau in Dänemark entwickelt wurde.
Die Dänin betreute zunächst lediglich hin und wieder die Kinder der Nachbarn und machte mit diesen häufige Ausflüge in den Wald. Daraus entwickelte sich eine besondere Form der Kinderbetreuung, die rasch viele Eltern überzeugte. So entstand eine entsprechende Elterninitiative, die den ersten Waldkindergarten gründete. Anschließend wurden immer mehr Waldkindergärten in Skandinavien eröffnet, bevor das Konzept schließlich unter anderem auch Deutschland erreichte. Hierzulande eröffnete der erste Natur- und Waldkindergarten im Jahr 1968. Ursula Sube war hier federführend und die Organisatorin des ersten Waldkindergartens in Deutschland.
Diesem Beispiel folgten in den nachfolgenden Jahren immer mehr Kindergärten, wodurch sich der Waldkindergarten als eigenständiges Konzept mehr und mehr durchsetzen konnte. Einen regelrechten Boom erlebten die Waldkindergärten dann in den 1990er-Jahren. 1993 eröffnete dann der erste anerkannte Waldkindergarten Deutschlands in Flensburg. Aktuellen Statistiken zufolge soll die Zahl der Waldkindergärten seitdem in Deutschland auf mehr als 1.500 angewachsen sein.
Wie ein Waldkindergarten arbeitet
Der Waldkindergarten kommt ohne festes Gruppengebäude aus. Die Kinder verbringen den Vormittag draußen - im Wald, auf einer Wiese, am Bachlauf. Als Rückzugsort dient meist ein Bauwagen, eine Schutzhütte oder ein beheizbarer Container, der bei Sturm, Gewitter oder strengem Frost genutzt wird.
Die Idee stammt aus Dänemark. In Deutschland entstand 1968 in Wiesbaden eine erste Gruppe, seit den neunziger Jahren wächst die Zahl der staatlich anerkannten Einrichtungen stetig.
Ein typischer Vormittag
- Treffpunkt am Waldrand, Morgenkreis mit Liedern und Absprachen
- gemeinsamer Weg zu einem Platz, der über Wochen derselbe bleibt
- Freispiel mit dem, was da ist: Stöcke, Steine, Zapfen, Matsch
- Frühstück im Sitzkreis, oft auf Isomatten
- Angebote je nach Jahreszeit - Werkzeug, Feuer, Beobachtungen
- Abschlusskreis und Rückweg
Was Kinder dort lernen
Ohne vorgefertigtes Spielzeug muss ein Gegenstand erst zu etwas gemacht werden: Ein Ast wird zum Werkzeug, zur Angel, zum Pferd. Das fordert die Vorstellungskraft stärker als ein fertiges Spielzeug. Dazu kommen Bewegung auf unebenem Boden, die Grobmotorik und Gleichgewicht schult, und ein sehr konkreter Bezug zu Wetter und Jahreszeiten.
Auch die Sprache profitiert: Weil weniger Lärm herrscht als in einem Gruppenraum, sind Gespräche leichter zu führen. Untersuchungen weisen zudem auf seltenere Infekte hin - viel frische Luft, wenig geschlossener Raum.
Die Vorteile von Waldkindergärten
Zunächst mag es auf Eltern mitunter befremdlich wirken, dass die Unterkunft des Kindergartens nur in Ausnahmefällen aufgesucht wird und der Waldkindergarten somit größtenteils draußen stattfindet. Die Vorteile dieses Konzeptes liegen jedoch auf der Hand und sind längst auch wissenschaftlich belegt. So kommt der Besuch eines Waldkindergartens der motorischen Entwicklung zugute. Zudem werden Koordination, Sprachentwicklung und Kreativität in besonderem Maße gefördert. Darüber hinaus ist nicht zu verachten, dass die Kinder ein besonderes Verständnis für die Natur und Umwelt entwickeln.
Was zu bedenken ist
| Spricht dafür | Zu bedenken |
|---|---|
| viel Bewegung, gute Grobmotorik | Ausrüstung kostet - Regenzeug, Wechselkleidung, feste Schuhe |
| weniger Lärm und Reizüberflutung | bei jedem Wetter draußen, auch bei Dauerregen |
| Vorstellungskraft wird gefordert | Zecken und Fuchsbandwurm verlangen feste Regeln und tägliche Kontrolle |
| enger Bezug zur Natur | weniger Erfahrung mit Schere, Stift und Papier - siehe Graphomotorik |
Gute Einrichtungen gleichen den letzten Punkt bewusst aus, etwa durch feste Zeiten mit Werkzeug, Stiften und Naturmaterial im Bauwagen.
Häufige Fragen
Was passiert bei schlechtem Wetter?
Gespielt wird auch bei Regen und Kälte - entscheidend ist die Kleidung. Bei Sturm, Gewitter oder strengem Frost weicht die Gruppe in den Bauwagen oder einen Ersatzraum aus.
Wo gehen die Kinder auf die Toilette?
Im Bauwagen steht meist eine Trockentoilette. Für das kleine Geschäft gilt eine feste Regel mit einem abgesprochenen Platz abseits des Spielbereichs.
Sind Zecken ein Problem?
Sie kommen vor. Übliche Praxis ist lange Kleidung, tägliches Absuchen zu Hause und eine klare Absprache mit den Eltern, wer Zecken entfernt.
Sind Waldkinder in der Schule im Nachteil?
Nach vorliegenden Untersuchungen nicht. Motorik, Konzentration und Sozialverhalten sind eher besser ausgeprägt; beim Umgang mit Stift und Schere holen gute Einrichtungen gezielt auf.
Gibt es auch Waldgruppen an normalen Kitas?
Ja, viele Einrichtungen führen einzelne Waldtage oder eine feste Waldgruppe. Das ist eine verbreitete Zwischenform.