Eingewöhnung im Kindergarten: Berliner Modell, Dauer und Tipps

Von der kindergarten.info-Redaktion · zuletzt bearbeitet im Oktober 2026

Der Besuch eines Kindergartens ist hierzulande zwar keine Pflicht, für die meisten Familien aber eine Selbstverständlichkeit. So steht es für die meisten Eltern fest, dass ihr Nachwuchs vor der Schule in den Kindergarten geht. Wurde das Kind bis dahin nur zuhause von den Eltern betreut, ergibt sich dadurch eine gravierende Veränderung im Familienleben, die Kinder und Eltern gleichermaßen herausfordert.

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Eltern spielen mit ihrem Kleinkind mit Bauklötzen Mütter und Väter müssen Verantwortung abgeben und zumindest stundenweise loslassen, während die Kinder in fremder Umgebung mit einer Vielzahl neuer Kinder und ihnen unbekannten Erzieherinnen zurechtkommen müssen. Eine adäquate Eingewöhnung im Kindergarten ist daher ein absolutes Muss und gibt dem Kind die Chance, langsam Vertrauen aufzubauen.


Die Rolle der Bezugsfachkraft

In den meisten Einrichtungen ist eine feste Fachkraft für die Eingewöhnung eines Kindes zuständig. Sie begleitet die ersten Wochen, führt die Gespräche mit den Eltern und übernimmt schrittweise die Pflege. Dieses Bezugspersonenprinzip ist keine Formalie: Ein Kind kann nicht zu fünf Erwachsenen gleichzeitig eine Bindung aufbauen.

Fragen Sie beim Aufnahmegespräch, ob es eine solche Zuständigkeit gibt und wer sie übernimmt. Ebenso hilfreich ist zu wissen, was passiert, wenn diese Person krank wird - eine gute Einrichtung hat darauf eine Antwort.

Was Eltern in den ersten Tagen tun

Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass die Bezugsperson das Kind in der Grundphase beschäftigen soll. Das Gegenteil ist gemeint: Sie sitzt an einem festen Platz, verhält sich ruhig und passiv und drängt das Kind zu nichts. Sie ist der sichere Hafen, zu dem das Kind zurückkehren kann, wenn es genug erkundet hat.

  • Nicht selbst mit den anderen Kindern spielen - das Kind soll die Fachkraft entdecken, nicht die Eltern beschäftigt sehen.
  • Nicht aktiv zum Mitmachen auffordern. Das Kind bestimmt das Tempo.
  • Reagieren, wenn das Kind Kontakt sucht, aber nicht von sich aus locken.
  • Das Handy weglegen. Ein Kind merkt, ob die Aufmerksamkeit verfügbar ist.

Wie läuft die Eingewöhnung im Kindergarten konkret ab?

Viele Eltern haben keine Vorstellung davon, wie die Eingewöhnung in der Kita konkret aussieht. Wer sich bislang noch nicht weiter mit dieser Thematik befasst hat und einfach nur froh darüber ist, einen Betreuungsplatz ergattert zu haben, sollte nicht den Fehler machen, den Nachwuchs einfach abzugeben und darauf zu vertrauen, dass alles gut gehen wird. In der Eingewöhnungsphase im Kindergarten sind die Eltern in besonderem Maße gefordert und müssen ihrem Kind stets Sicherheit vermitteln.

Der konkrete Ablauf der Eingewöhnung kann dabei durchaus variieren und wird seitens der Kita vorgegeben. Oftmals setzen die Einrichtungen auf Schnuppertage, während dieser das neue Kindergartenkind in Begleitung eines Elternteils etwas Zeit im Kindergarten verbringt. Im nächsten Schritt bleibt es dann stundenweise allein in der Kita und wird so sanft an den Kita-Alltag herangeführt. Dies entspricht auch dem Berliner Modell, das auf eine phasenweise Eingewöhnung setzt und längst auch außerhalb von Berlin in den Kindergärten zum Einsatz kommt.


Wie lange dauert die Kindergarten-Eingewöhnung?

Kindergarten-Garderobe mit Jacken, Turnbeuteln und einer Wanduhr Wie viel Zeit die Eingewöhnung im Kindergarten in Anspruch nimmt, hängt von der Vorgehensweise der Einrichtung sowie dem jeweiligen Kind ab. Während einige Kinder rasch Anschluss finden und Vertrauen fassen, benötigen andere deutlich mehr Zeit.

Hier lassen sich also kaum pauschalen Angaben machen. Nichtsdestotrotz sollte man für die Kita-Eingewöhnung durchaus ein paar Wochen einplanen, in denen man diese neue Lebensphase gemeinsam mit seinem Kind beginnt.


Tipps für eine erfolgreiche Eingewöhnung im Kindergarten

Nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern tun sich mit dem Loslassen oftmals schwer und empfinden den Beginn der Kindergartenzeit als überaus herausfordernd. In erster Linie sollte man aber an das Wohl des Kindes denken und diesem mit den folgenden Tipps die Eingewöhnung im Kindergarten möglichst leicht machen:

  • Eltern sollten in ihrem Kind eine gewisse Vorfreude auf den Kindergarten wecken und immer wieder mehr oder weniger beiläufig erwähnen, wie schön es im Kindergarten ist.
  • Insbesondere während der Eingewöhnung im Kindergarten sollte das Kind besonders viel Zuwendung bekommen und niemals das Gefühl haben, vernachlässigt zu werden.
  • Schnuppertage gemeinsam mit den Eltern geben dem Kind die Gelegenheit, die anderen Kinder sowie die Erzieherinnen vorab kennenzulernen.
  • Indem man das Kind schon früh daran gewöhnt, dass es nicht nur Zuhause betreut wird, kann man es gut auf die bevorstehende Kindergartenzeit vorbereiten.

Grundsätzlich gibt es aber natürlich kein Patentrezept für eine erfolgreiche und zudem schnelle Eingewöhnung in der Kita. Sofern keine schwerwiegenden Probleme vorliegen, meistern die Kinder dies aber früher oder später und werden sich schon bald auf den Kindergarten freuen.


Das Berliner Eingewöhnungsmodell

Es ist das bekannteste Modell und in vielen Häusern Standard. Es gliedert die Eingewöhnungszeit in klar getrennte Abschnitte (ausführlich und im Vergleich mit dem Münchener Modell: Berliner und Münchener Eingewöhnungsmodell):

PhaseDauerWas geschieht
Grundphase etwa 3 Tage Mutter oder Vater bleibt dabei. Es wird kein Trennungsversuch unternommen. Das Kind erkundet, die Bezugsperson ist der sichere Hafen.
Erster Trennungsversuch ab Tag 4 Die Bezugsperson verabschiedet sich kurz und verlässt den Raum für wenige Minuten. Wie das Kind reagiert, entscheidet über das weitere Vorgehen.
Stabilisierungsphase einige Tage Die Trennungszeiten werden schrittweise verlängert. Die Fachkraft übernimmt mehr und mehr das Wickeln, Füttern und Trösten.
Schlussphase letzte Tage Die Bezugsperson ist nicht mehr anwesend, aber jederzeit erreichbar. Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn sich das Kind von der Fachkraft trösten lässt.

Das entscheidende Kriterium ist nicht, ob ein Kind weint. Es ist, ob es sich von der pädagogischen Fachkraft beruhigen lässt. Erst dann trägt die neue Beziehung.

Das Münchener Eingewöhnungsmodell

Das zweite verbreitete Modell setzt andere Schwerpunkte. Die Kennenlernphase dauert länger - in der Regel die gesamte erste Woche ohne jeden Trennungsversuch - und die Gruppe der anderen Kinder spielt eine größere Rolle: Sie gelten als Helfer beim Ankommen, nicht nur als Umfeld. Am Ende steht ein Auswertungsgespräch zwischen Eltern und Fachkräften. Insgesamt verläuft die Eingewöhnung dadurch etwas langsamer, dafür oft stabiler.

Die drei Modelle im Vergleich

Berliner ModellMünchener ModellTübinger Modell
Im Mittelpunkt Bindung an eine Bezugsfachkraft das Kind erkundet die Kita aktiv, die Gruppe hilft eine kleine Gruppe von Kindern, die gemeinsam ankommt
Wer wird eingewöhnt? ein Kind nach dem anderen meist einzeln drei bis fünf Kinder gleichzeitig
Erste Trennung ab Tag 4 nach etwa 12 Tagen Kennenlernen frühestens ab Tag 4, in der Gruppe
Dauer etwa 1 bis 3 Wochen etwa 3 bis 4 Wochen etwa 3 bis 4 Wochen
Eltern passiv als sicherer Hafen aktiv, lernen den Alltag mit kennen je Kind eine Bezugsperson in der Gruppe

Welches Modell eine Einrichtung nutzt, steht meist in ihrer Konzeption. Fragen Sie beim Aufnahmegespräch danach - daran lässt sich gut erkennen, wie durchdacht der Übergang gestaltet wird.

Packliste für die ersten Kita-Tage
  • zwei Sätze Wechselkleidung, auch Unterwäsche und Socken
  • Hausschuhe oder Stoppersocken
  • Matschhose und Gummistiefel
  • Kuscheltier, Schnuller oder Schmusetuch von zu Hause
  • in der Krippe: Windeln, Feuchttücher, Wundcreme
  • Trinkflasche und Brotdose, falls die Kita nicht selbst versorgt
  • im Sommer Sonnenhut und Sonnencreme
  • ein Familienfoto für die Gruppe oder das Portfolio
  • Namen in alle Kleidungsstücke und Gegenstände
  • Unterlagen: Masernnachweis, Vertrag, Notfallnummern, Liste der Abholberechtigten

Was kann man bei Problemen bei der Kita-Eingewöhnung tun?

Selbst die schonendste Eingewöhnung im Kindergarten läuft meist nicht ohne Tränen ab. Der Moment, in dem das Kind realisiert, dass es ohne Mama oder Papa allein im Kindergarten ist, kann durchaus erschreckend sein. In anderen Fällen wollen sich die Kinder auch nach Wochen nicht von den Eltern trennen und partout nicht in den Kindergarten.

Für die Eltern ist die Situation gleich doppelt belastend, denn einerseits wollen sie ihr Kind nicht im Stich lassen und andererseits möchten sie ihm eine frühkindliche Förderung im Kindergarten zuteilwerden lassen. Einfühlsam und konsequent sollten Eltern derartigen Problemen begegnen.

Zunächst sollten sie ihr Kind fragen, warum es nicht in den Kindergarten möchte. Ein reger Austausch mit den Erzieherinnen sollte ebenfalls stattfinden. So lässt sich in der Regel der Übergang in den Kindergarten erfolgreich meistern.


Woran sich eine gelungene Eingewöhnung erkennen lässt

Abgeschlossen ist die Eingewöhnung nicht dann, wenn ein Kind nicht mehr weint, sondern wenn es die Fachkraft als sichere Basis angenommen hat. Daran zeigt es sich:

  • Das Kind lässt sich von der Fachkraft trösten, wenn es sich wehgetan hat.
  • Es sucht von sich aus Kontakt zu ihr und zeigt ihr, was es entdeckt hat.
  • Es spielt vertieft, statt nur die Tür zu beobachten.
  • Es isst und schläft in der Einrichtung.
  • Es protestiert beim Abschied, beruhigt sich aber innerhalb weniger Minuten.

Der letzte Punkt überrascht viele Eltern: Protest ist kein schlechtes Zeichen. Er zeigt eine intakte Bindung. Sorge bereiten sollte eher ein Kind, das gar nicht reagiert und teilnahmslos wirkt.


Wenn ein Kind schon Kita-Erfahrung hat

Beim Wechsel in eine andere Einrichtung verläuft die Eingewöhnung meist schneller, aber sie entfällt nicht. Auch ein Kind, das den Ablauf kennt, muss neue Bezugspersonen und eine neue Gruppe kennenlernen. Rechnen Sie mit ein bis zwei Wochen, und lassen Sie sich nicht einreden, ein einzelner Schnuppertag genüge. Näheres unter Kindergartenwechsel.


Was in der Krippe anders ist

Bei Kindern unter drei Jahren dauert die Eingewöhnung in der Regel länger und verläuft kleinschrittiger. Ein einjähriges Kind kann nicht einordnen, dass die Mutter wiederkommt - der Aufbau von Vertrauen zur neuen Bezugsperson braucht schlicht mehr Zeit. Entsprechend liegt der Schwerpunkt auf Pflegesituationen: Wickeln, Füttern und Schlafen sind die Momente, in denen Nähe entsteht.

Dreijährige bringen dagegen meist schon Trennungserfahrung mit und finden schneller Anschluss an die anderen Kinder. Bei ihnen läuft die Eingewöhnung häufiger über das Spiel als über Pflege. Die Gruppe wird zum Anker, nicht nur die Fachkraft.


Häufige Fragen

Wie lange muss ich mir freinehmen?

Planen Sie mindestens zwei, besser vier Wochen ein, in denen Sie flexibel sind. In den ersten Tagen bleibt das Kind nur ein bis zwei Stunden.

Mein Kind weint jeden Morgen - läuft etwas falsch?

Nicht unbedingt. Entscheidend ist, ob es sich kurz darauf beruhigen lässt und im Tagesverlauf am Geschehen teilnimmt. Fragen Sie die Fachkraft, wie die Minuten nach Ihrem Weggehen verlaufen.

Können Grosseltern die Eingewöhnung übernehmen?

Ja, sofern es eine vertraute Bezugsperson ist, die durchgehend dieselbe bleibt. Wichtiger als der Verwandtschaftsgrad ist die Verlässlichkeit.

Ab welchem Alter ist eine Eingewöhnung leichter?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Ältere Kinder verstehen mehr, jüngere hängen weniger an Gewohnheiten. Mehr dazu unter Ab welchem Alter in den Kindergarten.

Darf ich während der Eingewöhnung arbeiten?

Nur eingeschränkt. In der Grundphase müssen Sie anwesend sein, danach kurzfristig erreichbar und in der Nähe. Planen Sie mindestens zwei, besser vier Wochen ein.

Was, wenn mein Kind in der Eingewöhnung krank wird?

Dann pausiert sie und wird anschließend eine Stufe zurückgesetzt fortgeführt. Das ist normal und kein Rückschritt.

Wie viele Kinder werden gleichzeitig eingewöhnt?

Gute Einrichtungen gewöhnen versetzt ein, weil jedes Kind eine Bezugsfachkraft braucht. Fragen Sie nach, wie viele Neuzugänge zeitgleich starten.