Berliner und Münchener Eingewöhnungsmodell: Phasen und Unterschiede

Von der kindergarten.info-Redaktion · veröffentlicht im September 2026 · zuletzt bearbeitet im Oktober 2026

Fast jede Kita in Deutschland arbeitet bei der Eingewöhnung nach einem festen Modell. Die beiden bekanntesten sind das Berliner Eingewöhnungsmodell und das Münchener Eingewöhnungsmodell. Beide haben dasselbe Ziel: Das Kind baut eine sichere Bindung zu einer Fachkraft auf, bevor es ohne Mama oder Papa in der Kita bleibt. Sie unterscheiden sich aber im Tempo und darin, worauf sie schauen. Hier stehen beide Modelle Phase für Phase.

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Das Berliner Eingewöhnungsmodell

Entwickelt in den 1980er- und 1990er-Jahren vom Institut für angewandte Sozialisationsforschung (INFANS) in Berlin. Es stützt sich auf die Bindungstheorie: Das Kind braucht die Bezugsperson als sicheren Hafen, bis die Fachkraft diese Rolle übernehmen kann.

  1. Tag 1–3 Grundphase: Elternteil und Kind kommen für etwa eine Stunde. Der Elternteil bleibt im Raum, verhält sich eher passiv und ist „sicherer Hafen“. Noch keine Trennung.
  2. Tag 4 Erster Trennungsversuch (nicht an einem Montag): Der Elternteil verabschiedet sich und geht für 15 bis 30 Minuten. Die Reaktion des Kindes entscheidet über das Tempo.
  3. ab Tag 5 Stabilisierungsphase: Die Fachkraft übernimmt Schritt für Schritt Pflege, Trost und Spiel. Die Trennungszeiten werden länger.
  4. Ende Schlussphase: Der Elternteil ist nicht mehr in der Kita, aber jederzeit erreichbar. Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn sich das Kind von der Fachkraft trösten lässt.

Dauer: Lässt sich das Kind beim ersten Trennungsversuch trösten, rechnet man mit etwa sechs Tagen (kürzere Variante). Weint es lange und lässt sich nicht beruhigen, eher mit zwei bis drei Wochen.


Das Münchener Eingewöhnungsmodell

Das Münchener Modell geht auf Arbeiten von Kuno Beller zurück und wurde von Anna Winner und Elke Erndt-Doll weiterentwickelt. Es nimmt nicht nur die Bindung an eine Fachkraft in den Blick, sondern die ganze Gruppe. Das Kind soll die Kinder, Räume und Abläufe kennenlernen. Die Eltern sind länger und aktiver dabei.

  1. vorher Vorbereitung: Aufnahmegespräch, Gewohnheiten des Kindes, Ablauf besprechen
  2. Woche 1 Kennenlernphase: Elternteil und Kind erleben gemeinsam den Kita-Alltag, oft mehrere Stunden täglich. Der Elternteil versorgt sein Kind selbst, die Fachkraft beobachtet.
  3. Woche 2 Sicherheitsphase: Die Fachkraft übernimmt Pflege und Spiel, der Elternteil ist noch da. Noch keine Trennung.
  4. ab Woche 2/3 Vertrauensphase: erste Trennungen, die schnell länger werden
  5. danach Reflexionsphase: Abschlussgespräch zwischen Eltern und Fachkraft über den Verlauf

Dauer: meist vier bis sechs Wochen. Die erste Trennung kommt später als im Berliner Modell.


Beide Modelle im Vergleich

Berliner ModellMünchener Modell
SchwerpunktBindung an eine BezugsfachkraftKind kennt Gruppe, Räume und Abläufe
Rolle der Elterneher passiv, „sicherer Hafen“aktiv, versorgen ihr Kind in der ersten Woche selbst
Erste Trennungam 4. Tagfrühestens in der 2. Woche
Dauerca. 1 bis 3 Wochenca. 4 bis 6 Wochen
Verbreitungsehr weit verbreitet, vor allem in Krippenhäufig in Bayern und in offen arbeitenden Kitas

Für die Planung: Rechnen Sie bei beiden Modellen mindestens vier Wochen ein, bevor Sie wieder voll arbeiten, auch wenn die Eingewöhnung schneller gehen könnte. Krankheiten, ein Wechsel der Fachkraft oder Ferien verlängern sie oft. Wann Elternzeit und Kita-Start zusammenpassen, zeigt der Familien-Zeitplan.

Viele Kitas arbeiten heute mit eigenen Mischformen. Manche nutzen auch das Tübinger Modell, bei dem mehrere Kinder gleichzeitig in einer kleinen Gruppe eingewöhnt werden. Fragen Sie beim Aufnahmegespräch, nach welchem Modell die Kita arbeitet. Praktische Tipps für die ersten Tage stehen im Ratgeber Wie funktioniert die Eingewöhnung?


Häufige Fragen

Wie lange dauert die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell?

Etwa sechs Tage in der kurzen Variante, zwei bis drei Wochen in der längeren. Das Tempo richtet sich nach dem Kind.

Warum findet die erste Trennung nicht am Montag statt?

Nach dem Wochenende ist die Bindung an die Eltern besonders frisch. Ein Trennungsversuch dann sagt wenig darüber, wie das Kind die Kita erlebt.

Was ist der Unterschied zwischen Berliner und Münchener Modell?

Das Berliner Modell setzt auf die Bindung an eine Fachkraft und trennt früher, ab Tag 4. Das Münchener Modell bezieht die ganze Gruppe ein, beteiligt die Eltern stärker und dauert mit vier bis sechs Wochen länger.

Kann ich das Modell selbst wählen?

Meist nicht, das Konzept der Kita legt es fest. Das Tempo passen gute Kitas aber immer an das einzelne Kind an.