Erzieher/innen kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen
Von der kindergarten.info-Redaktion
Wer sich für den Erzieherberuf entscheidet, tut dies zumeist aus Überzeugung. Freude am Umgang mit Kindern sowie die Tatsache, dass man gebraucht und gefordert wird, sind zentrale Aspekte, die den Reiz des Erzieherberufs ausmachen. Als Erzieher/in übernimmt man eine wichtige gesellschaftliche Funktion und begleitet Kinder zumindest zeitweise auf ihrem Lebensweg.
Auf dieser Seite
- Worin bestehen die Schwierigkeiten im Bereich der Arbeitsbedingungen für Erzieher/innen?
- Was tun die Erzieher/innen für bessere Arbeitsbedingungen?
- Was die Arbeit schwer macht
- Was sich verbessern lässt
- Häufige Fragen
- Wie viele Kinder betreut eine Fachkraft?
- Was ist Verfügungszeit?
- An wen wende ich mich bei Überlastung?
Durch fachliche Kompetenz und Einfühlungsvermögen kann man die kindliche Entwicklung bestmöglich fördern und somit zu einem optimalen Start ins Leben beitragen. Bereits im Kindergarten werden die Grundlagen für die schulische Laufbahn eines jeden Kindes geschaffen, die wiederum maßgebend für den beruflichen Werdegang sind. Die Arbeit als Erzieher/in kann somit als sinnstiftend und erfüllend bezeichnet werden.
In Anbetracht des Wertes des Erzieherberufes könnte man meinen, dass dieser Beruf keine Werbung nötig hätte und bei vielen Menschen Anklang findet. Dies ist zwar grundsätzlich zutreffend, aber schlussendlich entscheiden sich zu wenige Menschen für eine Ausbildung zum Erzieher. Und unter denjenigen, die die Erzieherausbildung erfolgreich bewältigt haben, macht sich zudem auch oftmals Unmut breit, so dass diese in andere Tätigkeitsfelder abwandern.
Daraus ergibt sich ein akuter Fachkräftemangel, der teilweise gewaltige Ausmaße annimmt. Um dem entgegenzuwirken, muss die Erzieherausbildung attraktiver werden. Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist ebenfalls dringend erforderlich, weil ansonsten stets die Gefahr besteht, dass ausgebildete und engagierte Fachkräfte das Handtuch werfen und unter dem Druck zusammenbrechen.
Worin bestehen die Schwierigkeiten im Bereich der Arbeitsbedingungen für Erzieher/innen?
Außenstehende stellen sich vielleicht die Frage, welche Arbeitsbedingungen Erzieher/innen überhaupt anprangern. Als Mutter oder Vater bekommt man oftmals kaum etwas von dem Stress und Druck mit, die den Arbeitsalltag von Erziehern dominieren. Dass es zuweilen anstrengend und fordernd sein kann, eine Gruppe von Kleinkindern zu beaufsichtigen und zu betreuen, steht außer Frage und ist auch nicht das Problem.
Es geht vielmehr um die Rahmenbedingungen der Tätigkeit. Insbesondere der akute Fachkräftemangel ist hier anzumerken, denn die Belastung für den Einzelnen steigt, wenn offene Stellen nicht besetzt werden können. Größere Gruppen sind vielfach die Folge, während zudem jeder Erzieher im Alltag an seine Grenzen gehen muss. Dass die Eltern oftmals hohe Ansprüche haben und nicht an Kritik sparen, ist ein weiterer Punkt, der Erziehern das Leben schwermacht.
Der Verdienst wird all diesen Anforderungen nicht in ausreichendem Maße gerecht, weshalb viele Erzieher/innen früher oder später aufgeben. Trotz ihrer Liebe zum Erzieherberuf ziehen sie die Reißleine und gehen beruflich einen anderen Weg. Dadurch fehlen weitere Erzieher, was die Situation noch weiter verschärft.
Was tun die Erzieher/innen für bessere Arbeitsbedingungen?
Längst nicht alle Erzieher/innen, die unter den oftmals schwierigen Arbeitsbedingungen leiden, entscheiden sich tatsächlich für einen Berufswechsel. Viele pädagogische Fachkräfte wollen etwas bewegen und kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen.
Dies tun sie unter anderem, indem sie auf ihre Situation aufmerksam machen. Dadurch entsteht bei den Eltern und in der gesamten Gesellschaft ein Bewusstsein für den schwierigen Alltag als Erzieher/in. Gleichzeitig stellen die Erzieher/innen Forderungen an die Politik und prangern die bestehenden Missstände an, die durchaus zu einer Beeinträchtigung der Betreuung und Förderung der Kinder führen.
Mancherorts haben Erzieher/innen sogar Brandbriefe verfasst, in denen sie vor einem drohenden Kollaps warnen. Dass akuter Handlungsbedarf besteht konnte somit bereits öffentlichkeitswirksam verbreitet werden. Erste Maßnahmen laufen bereits an und geben Hoffnung für die Zukunft. Es bedarf allerdings auch schneller Maßnahmen, um den Kindergärten jetzt unter die Arme zu greifen.
Was die Arbeit schwer macht
| Belastung | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Personalmangel | Der rechnerische Schlüssel gilt selten - Krankheit, Urlaub und Verfügungszeit sind darin nicht abgebildet |
| Lärm | In Gruppenräumen werden regelmäßig Werte erreicht, die in anderen Branchen Gehörschutz verlangen würden |
| Körperliche Belastung | Heben, Wickeln, Sitzen auf Kinderstühlen - Rücken und Knie |
| Verfügungszeit fällt weg | Sie ist vorgesehen, wird bei Engpässen aber als Erstes gestrichen |
| Erwartungsdruck | Bildungsauftrag, Dokumentation, Elternarbeit - bei gleichbleibender Zeit |
Was sich verbessern lässt
- Verfügungszeit in den Dienstplan schreiben. Was dort steht, wird eher genommen als ein guter Vorsatz.
- Lärm baulich angehen. Akustikdecken, Filzgleiter, Teppiche - das wirkt messbar und ist Sache des Trägers.
- Erwachsenenstühle für Tätigkeiten, die länger dauern.
- Springerkräfte statt Vertretung aus der eigenen Gruppe.
- Wiederkehrende Themen benennen. Was in jeder Teamsitzung auftaucht, ist kein Teamproblem, sondern ein strukturelles - das gehört zur Leitung und zum Träger.
Für die persönliche Seite hilft kollegiale Fallberatung: einen schwierigen Fall strukturiert und mit verteilten Rollen besprechen, statt ihn allein zu tragen. Mehr dazu unter Reflexionsmethoden.
Häufige Fragen
Wie viele Kinder betreut eine Fachkraft?
Der Schlüssel richtet sich nach Landesrecht und schwankt erheblich. Fragen Sie nach dem tatsächlichen Wert, nicht nach dem rechnerischen - Krankheit und Urlaub sind darin nicht enthalten.
Was ist Verfügungszeit?
Arbeitszeit außerhalb der Gruppe für Vorbereitung, Dokumentation und Elterngespräche. Sie ist vorgesehen, fällt bei Personalmangel aber als Erstes weg.
An wen wende ich mich bei Überlastung?
Zuerst an die Leitung, dann an den Träger. Strukturelle Themen gehören dorthin, nicht in die nächste Teamsitzung.