Integrativer Kindergarten: Aufnahme, Antrag und Ablauf
Von der kindergarten.info-Redaktion · zuletzt bearbeitet im August 2026
Ein integrativer Kindergarten zeichnet sich in erster Linie durch seine integrativen Gruppen aus, in denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut werden. Auf diese Art und Weise sollen die Kinder voneinander lernen und zugleich ein Verständnis füreinander entwickeln. Während Kinder mit Beeinträchtigung erheblich von dem Zusammensein mit gesunden Kindern profitieren und sich diese oftmals zum Vorbild nehmen, was ihrer Entwicklung sehr zugutekommt, bauen gesunde Kinder keine Berührungsängste auf und lernen von Anfang an Toleranz und Rücksichtnahme. Angesichts der großen Vielfalt der Gesellschaft, in der wir leben, sind dies essentielle Kompetenzen für das gesamte Leben von Bedeutung.
Auf dieser Seite
- Philosophie und Grundlagen der integrativen Pädagogik im Kindergarten
- Die besonderen Herausforderungen der integrativen Pädagogik im Kindergarten
- Wie eine integrative Gruppe arbeitet
- Wie ein Platz zustande kommt
- Integration und Inklusion
- Was ein Integrativplatz ist
- Wie ein Tag in einer integrativen Gruppe abläuft
- Häufige Fragen
- Wer bekommt einen integrativen Platz?
- Kostet ein integrativer Platz mehr?
- Profitieren auch Kinder ohne Behinderung?
- Wie lange dauert das Antragsverfahren?
Philosophie und Grundlagen der integrativen Pädagogik im Kindergarten
Die integrative Pädagogik beschreibt grundsätzlich ein Konzept, dass Kinder mit Behinderungen in den klassischen Kindergarten von Nichtbehinderten einbindet. Es findet folglich keine Separierung von Kindern mit Behinderungen statt, was als überaus positiv wahrgenommen wird, die Erzieher/innen jedoch vor besondere Herausforderungen stellt. Ein höherer Betreuungsschlüssel ist folglich absolut unverzichtbar und macht integrative Kindergärten erst möglich.
Zentrales Ziel derartiger Kindergärten ist die Integration, wobei eine besondere Rücksichtnahme auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des einzelnen Kindes in keiner Weise außer Acht gelassen wird. In so mancher Reformpädagogik findet sich auch ein integrativer Ansatz, wie zum Beispiel im Falle eines Montessori-Kindergartens. Unabhängig davon, ob ein integrativer Kindergarten diesem oder einem anderen Konzept folgt, setzt er darauf, dass Kinder mit und ohne Behinderung nicht nur gemeinsam, sondern auch voneinander lernen. Gesunde Kinder lernen Toleranz und Rücksichtnahme, während Kinder mit Behinderung vielfach die gesunden Kinder nachahmen und dadurch große Fortschritte in ihrer Entwicklung machen.
Die besonderen Herausforderungen der integrativen Pädagogik im Kindergarten
Die integrative Pädagogik ist folglich für alle Kinder von Vorteil und kann diese in ihrer Entwicklung deutlich fördern. Dieses Kindergarten-Konzept stellt die Verantwortlichen jedoch auch immer wieder vor besondere Herausforderungen. So kann es für die Erzieher/innen vielfach schwierig sein, den zum Teil sehr unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder gleichermaßen gerecht zu werden. Ein angepasster Betreuungsschlüssel schafft hier aber eine solide Basis. Darüber hinaus werden neben klassischen Erziehern mitunter noch weitere Fachkräfte wie Heilpädagogen, Motopäden und Sonderpädagogen gebraucht. Verschiedene pädagogische Fachkräfte sorgen so für ein vielschichtiges Betreuungsangebot im integrativen Kindergarten, von dem längst nicht nur Kinder mit Behinderung profitieren.
Die Förderung der sozialen Kompetenzen sowie der Toleranz erweisen sich angesichts der zum Teil großen Unterschiede der Kinder ebenfalls als große Herausforderungen. Der Alltag in einem integrativen Kindergarten ist folglich kein Kinderspiel und erfordert eine solide Planung sowie ein gut durchdachtes Konzept. Unter diesen Voraussetzungen kann die Integration im Kindergarten gelingen, was der gesellschaftlichen Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung aktiv entgegenwirkt. Wer im Kindergarten auch mit Kindern mit Behinderung Kontakt hatte, baut keine Berührungsängste auf und zeigt im weiteren Leben Verständnis und Toleranz. Integrative Kindergärten können folglich einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des gesellschaftlichen Zusammenlebens leisten.
Wie eine integrative Gruppe arbeitet
In einer integrativen Gruppe werden Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut. Sie ist kleiner als eine Regelgruppe - üblich sind 15 bis 18 Kinder, davon drei bis fünf mit anerkanntem Förderbedarf - und personell besser ausgestattet. Neben den Fachkräften arbeiten dort häufig Heilpädagoginnen, Motopäden oder Fachkräfte für Inklusion.
Therapien finden oft im Haus statt: Logopädie, Ergotherapie oder Physiotherapie kommen in die Einrichtung, statt dass Eltern zusätzliche Termine wahrnehmen müssen.
Wie ein Platz zustande kommt
- Feststellung des Bedarfs. Grundlage ist meist ein ärztliches oder psychologisches Gutachten, häufig über ein Sozialpädiatrisches Zentrum.
- Antrag auf Eingliederungshilfe beim zuständigen Träger - je nach Art der Behinderung das Sozialamt oder das Jugendamt.
- Bewilligung. Damit wird der zusätzliche Betreuungsaufwand finanziert, teils auch eine Einzelfallhelferin.
- Aufnahme in einer integrativen Gruppe oder in einer Regelgruppe mit zusätzlicher Unterstützung.
Die Verfahren dauern - beginnen Sie früh. Die Kita kann mit ihren Beobachtungen unterstützen, den Antrag stellen aber die Sorgeberechtigten.
Integration und Inklusion
Die Begriffe werden oft gleichgesetzt, meinen aber Unterschiedliches. Integration geht davon aus, dass ein Kind mit Besonderheit in eine bestehende Gruppe aufgenommen wird und Unterstützung erhält. Inklusion dreht das um: Nicht das Kind passt sich an, sondern die Einrichtung ist von vornherein so gestaltet, dass Verschiedenheit selbstverständlich ist. Mehr dazu unter Inklusion im Kindergarten.
Für Kinder mit sehr hohem Förderbedarf kann ein heilpädagogischer Kindergarten die passendere Form sein - dort ist die Gruppe noch kleiner und der therapeutische Anteil höher.
Was ein Integrativplatz ist
Der Begriff taucht in jeder Platzvergabe auf, wird aber selten erklärt. Ein Integrativplatz ist kein anderer Platz, sondern ein Platz mit zusätzlicher Ausstattung: Das Kind erhält einen anerkannten Anspruch auf Eingliederungshilfe, und die Einrichtung bekommt dafür mehr Personalstunden. In der Gruppe sitzt es neben allen anderen.
Rechtlich steht dahinter § 22a Absatz 4 SGB VIII: Kinder mit und ohne Behinderungen sollen gemeinsam gefördert werden, die besonderen Bedürfnisse behinderter Kinder sind dabei zu berücksichtigen. Wie viele solcher Plätze eine Einrichtung führt, regeln die Länder unterschiedlich - üblich sind zwei bis fünf je Gruppe, bei entsprechend verkleinerter Gesamtgruppe.
Wie ein Tag in einer integrativen Gruppe abläuft
Der Tagesablauf unterscheidet sich weniger, als viele erwarten. Morgenkreis, Freispiel, Angebote, Mittagessen, Ruhezeit - der Rahmen ist derselbe wie in Regelgruppen. Die Unterschiede liegen im Detail:
- Mehr Personal auf weniger Kinder. Kindergartengruppen mit Integrativplätzen sind kleiner, dafür arbeitet zusätzlich eine heilpädagogische Fachkraft mit.
- Therapie im Haus statt nebenher. Logopädie, Ergotherapie oder Physiotherapie finden häufig in der Einrichtung statt - während der Betreuungszeit, nicht am Nachmittag zusätzlich.
- Feste Abläufe. Wiederkehrende Rituale und angekündigte Wechsel helfen Kindern, die Übergänge schwer verkraften. Davon profitiert die ganze Gruppe.
- Angebote in zwei Formen. Dieselbe Sache wird oft parallel angeboten - einmal als Gruppenaktivität, einmal als ruhigere Einzelvariante.
Was in der Praxis am meisten trägt, ist nichts davon: Kinder ohne Behinderung übernehmen das Tempo und die Hilfestellungen von selbst, wenn Erwachsene sie nicht ständig korrigieren. Genau darauf zielt die gemeinsame Förderung.
Häufige Fragen
Wer bekommt einen integrativen Platz?
Kinder mit anerkanntem Förderbedarf - körperlich, geistig, seelisch oder in der Entwicklung. Grundlage ist meist ein Gutachten und ein bewilligter Antrag auf Eingliederungshilfe.
Kostet ein integrativer Platz mehr?
Für Eltern in der Regel nicht. Den zusätzlichen Aufwand trägt die Eingliederungshilfe.
Profitieren auch Kinder ohne Behinderung?
Ja. Sie erleben Verschiedenheit als normal und profitieren zugleich vom besseren Personalschlüssel der kleineren Gruppe.
Wie lange dauert das Antragsverfahren?
Häufig mehrere Monate. Beginnen Sie deshalb früh, am besten parallel zur Suche nach einem Platz.
