Leerstehende Kindergärten: Ursachen und Nachnutzung
Von der kindergarten.info-Redaktion · zuletzt bearbeitet im August 2026
Junge Eltern, die zum ersten Mal nach einem Kindergartenplatz für ihren Nachwuchs suchen, sind oftmals überrascht, wie schwierig dies sein kann. Heutzutage ist es leider längst keine Selbstverständlichkeit mehr, einen Platz in der bevorzugten Kita in unmittelbarer Wohnortnähe zu ergattern. Dass ein entsprechender Anspruch mittlerweile auch gesetzlich verankert wurde, kann leider auch nichts an dem akuten Mangel an Kita-Plätzen ändern. Bundesweit fehlt es an Kindergartenplätzen, so dass man sich frühzeitig um einen Betreuungsplatz für den Nachwuchs kümmern muss. Dass mancherorts Kitas geschlossen oder auch gar nicht erst eröffnet werden, wirkt verständlicherweise vollkommen unsinnig und widerspricht der gegenwärtigen Lage im Land.
Auf dieser Seite
- Was das für Eltern bedeutet
- Wie bedroht der Personalmangel bestehende Kindergärten?
- Was kann man als Elternteil tun, um Schließungen und Leerständen entgegenzuwirken?
- Wie es zu Leerstand kommt
- Was aus den Gebäuden wird
- Häufige Fragen
- Wie kann es Leerstand geben, wenn Plätze fehlen?
- Kann eine leerstehende Kita wiedereröffnet werden?
- Was passiert mit den Gebäuden?
Leerstände und Schließungen sind nichtsdestotrotz ein Phänomen der heutigen Zeit und sorgen für eine weitere Verschärfung der ohnehin angespannten Situation. Außenstehenden erschließt es sich dabei zunächst nicht, wie es dazu kommt, dass Kindergärten nicht eröffnen oder schließen. Ausschlaggebend dafür ist vor allem der Fachkräftemangel im pädagogischen Bereich. Ist nicht ausreichend Personal vorhanden, kann der reibungslose Betrieb einer Kita nicht gewährleistet werden, wodurch die betreffenden Betreuungsplätze wegfallen.
Die hohe Arbeitsbelastung für die einzelnen Erzieher/innen aufgrund des Fachkräftemangels sorgt zudem für mehr Krankmeldungen, was wiederum die Kolleginnen und Kollegen unter weiteren Druck setzt. Vielen Kita-Trägern bleibt somit keine Wahl, wodurch sie dazu gezwungen sind, zu schließen oder neu errichtete Kindergärten vorerst geschlossen zu lassen.
Der zunehmende Leerstand im Bereich der Kindergärten ist somit paradoxerweise eine Konsequenz des enormen Mangels an Erziehern und Kita-Plätzen. Dass dies kein Zustand ist und Handlungsbedarf besteht, hat mittlerweile auch die Politik erkannt. Verschiedene Maßnahmen sollen die Attraktivität des Erzieherberufs steigern und langfristig zu einer Entspannung im Erziehungswesen führen.
Was das für Eltern bedeutet
Für die Platzsuche ist der Leerstand meist ohne Bedeutung: Wo Kindergärten leer stehen, fehlen selten Plätze. Umgekehrt bedeutet ein leeres Gebäude in der Nachbarschaft nicht, dass dort kurzfristig eine Gruppe eröffnet - dafür fehlt in der Regel nicht der Raum, sondern das Personal. Wie die Platzvergabe abläuft, steht unter Anmeldeverfahren im Kindergarten.
Wie bedroht der Personalmangel bestehende Kindergärten?
Wer sein Kind in einem Kindergarten untergebracht hat, kann den Personalmangel im Kita-Bereich ebenfalls nicht gänzlich außer Acht lassen. Mitunter kann schon eine einzige Krankmeldung dafür sorgen, dass die Kita tageweise geschlossen bleiben muss, weil die verbliebenen Erzieher/innen den Alltag nicht bewältigen können. Die kritische Situation wird folglich spätestens dann deutlich, wenn einzelne Mitarbeiter/innen ausfallen. Es gab sogar bereits Fälle, in denen die Kita geschlossen bleiben musste, weil die Reinigungskraft erkrankt war.
Die Personalnot im pädagogischen Bereich verhindert also nicht nur Neueröffnungen sowie den Ausbau von Kindergärten, sondern ist für jede Einrichtung eine ernstzunehmende Bedrohung. Selbst wenn es noch zu keiner tageweisen Schließung kommt, bekommen die Eltern die angespannte Situation vielfach zu spüren. So kann es vorkommen, dass die Erzieher/innen die Eltern bitten, ihre Kinder in den nächsten Tagen nach Möglichkeit zuhause zu lassen, weil es aufgrund einiger Krankmeldungen an Betreuungskräften fehlt.
Was kann man als Elternteil tun, um Schließungen und Leerständen entgegenzuwirken?
Viele Eltern wollen nicht nur ihren Anspruch auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind geltend machen, sondern sind durchaus auch bereit, sich aktiv dafür einzusetzen. Existiert vor Ort eine leerstehende Kita, kann es vielleicht Sinn machen, eine Elterninitiative zu gründen.
Ansonsten kann man sich für die Tagespflege qualifizieren und gemeinsam mit Gleichgesinnten eine Großtagespflege ins Leben rufen. Ansonsten kann man im Bedarfsfall die Erzieher/innen entlasten, indem man sein Kind ein paar Tage zuhause lässt. Zudem kann es hilfreich sein, seine Unterstützung anzubieten und so den Personalmangel zumindest ein wenig abzufangen. Langfristig werden aber mehr Erzieher/innen gebraucht, um dem Bedarf gerecht zu werden.
Wie es zu Leerstand kommt
Leerstehende Kindergärten wirken paradox, solange man von den Wartelisten in den Städten liest. Beides gibt es gleichzeitig, weil sich Bedarf und Bestand regional auseinanderentwickeln:
- Abwanderung. In strukturschwachen Regionen ziehen junge Familien fort, die Zahl der Kinder sinkt schneller als die Zahl der Gebäude.
- Geburtenschwankungen. Ein Jahrgangstief lässt Gruppen leer laufen, ein Hoch füllt sie wieder - Gebäude reagieren träger als Zahlen.
- Personalmangel. Manche Gruppen bleiben geschlossen, obwohl Räume und Bedarf da wären, weil sich keine Fachkräfte finden.
- Zusammenlegungen. Kleine Häuser werden aufgegeben und in größeren gebündelt.
Was aus den Gebäuden wird
Kindergartenbauten eignen sich wegen ihrer Grundrisse und der barrierearmen Bauweise für mehrere Nachnutzungen. Verbreitet sind Wohngruppen und Tagespflege für Senioren, Familienzentren, Räume für Vereine und Musikschulen, Arztpraxen sowie Kindertagespflegestellen für kleinere Gruppen.
Kommunen entscheiden dabei selten endgültig: Weil Kinderzahlen schwanken, bleibt oft die Rückholoption bestehen - das Gebäude wird befristet vermietet, statt verkauft.
Häufige Fragen
Wie kann es Leerstand geben, wenn Plätze fehlen?
Beides tritt regional getrennt auf: In wachsenden Städten fehlen Plätze, in abwandernden Regionen stehen Gebäude leer. Bundesweite Zahlen verdecken diesen Unterschied.
Kann eine leerstehende Kita wiedereröffnet werden?
Grundsätzlich ja - häufig scheitert es aber nicht am Gebäude, sondern am fehlenden Personal.
Was passiert mit den Gebäuden?
Verbreitet sind Nutzungen als Familienzentrum, Seniorentagespflege, Vereins- oder Praxisräume. Oft wird befristet vermietet, um die Rückholoption zu behalten.