Pikler-Pädagogik: Freie Bewegung und beziehungsvolle Pflege

Von der kindergarten.info-Redaktion · zuletzt bearbeitet im August 2026

Wenn es um pädagogische Konzepte im Kindergarten geht, kann man unter anderem auch auf die Pikler-Pädagogik verweisen, die auf Emmi Pikler zurückgeht und bereits in den 1930er-Jahren aufkam. Damals galt dieser Ansatz als fast revolutionär und war ein Meilenstein auf dem Gebiet der Frühpädagogik. Mittlerweile hat sich viel getan, aber die Pikler-Pädagogik hat nach wie vor Bestand und dient in so manchem Kindergarten als Leitfaden für die Betreuung und Erziehung der Kinder.

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Kinder in Gummistiefeln stehen in einer Pfütze Pädagogische Fachkräfte und Eltern haben gleichermaßen Interesse an der Pikler-Pädagogik und sollten im Bedarfsfall wissen, was es damit auf sich hat. Mütter und Väter, die nach dem richtigen Kindergarten für ihren Nachwuchs suchen, sollten sich mit dessen pädagogischen Konzept identifizieren können und daher gegebenenfalls um die Besonderheiten der Pikler-Pädagogik wissen. Von Erzieher/innen, die in einer entsprechenden Einrichtung tätig sind, kann man ohnehin fundierte Fachkenntnis erwarten, schließlich obliegt es ihnen, die Grundsätze der Pikler-Pädagogik im Kindergartenalltag zu befolgen.


Was das für den Alltag bedeutet

Spricht dafürZu bedenken
Kinder schätzen ihre Fähigkeiten realistisch ein verlangt Geduld - Zusehen fällt schwerer als Helfen
weniger Stürze, weil nichts übersprungen wird Pflegezeiten brauchen mehr Ruhe und damit Personal
Pflege stärkt die Bindung Angehörige verstehen das Zurückhalten manchmal als Gleichgültigkeit

Auch außerhalb reiner Pikler-Einrichtungen sind einzelne Elemente verbreitet, besonders die Haltung in der Pflege und der Verzicht darauf, Kinder in Positionen zu setzen.


Die Geschichte der Pikler-Pädagogik

Als Begründerin und Namensgeberin der Pikler-Pädagogik gilt die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler. Bei der Erziehung ihres ersten Kindes setzte sie vor allem auf Freiheit und Geduld und gewährte ihm eine Entwicklung im eigenen Tempo. Daraus entwickelte sich ein für die damalige Zeit neuartiges Erziehungskonzept, denn damals waren Autorität und Strenge die allgemeinen Maßstäbe der Kinderpflege. Inspiriert von der Arbeitsweise einiger anderer Pädagogen begründete Emmi Pikler schließlich die Pikler-Pädagogik, deren Geschichte somit bis in die 1930er-Jahre zurückreicht.

Mit dem Pikler-Institut entstand dann Mitte der 1940er-Jahren in der ungarischen Hauptstadt Budapest ein Säuglings- und Kinderheim. Die Aufnahme von Kindern, die nicht in ihren Familien aufwachsen konnten, war und ist eine zentrale Aufgabe des sogenannten Loczy. Darüber hinaus nutzte Pikler das Institut ebenfalls zur Erforschung der frühkindlichen Entwicklung sowie zur Ausbildung. Bis heute finden dort Lehrgänge auf dem Gebiet der Pikler-Pädagogik statt, die seit den 1990er-Jahren international mehr Anerkennung erhält.


Emmi Pikler und ihre Beobachtungen

Emmi Pikler war Kinderärztin und leitete ab 1946 in Budapest ein Säuglingsheim in der Lóczy-Straße. Sie beobachtete über Jahre systematisch, wie sich Kinder bewegen, wenn niemand nachhilft - und dokumentierte, dass sie alle Entwicklungsschritte in eigener Reihenfolge und eigenem Tempo erreichen.

Ihr Ansatz richtet sich vor allem an die ersten drei Lebensjahre und ist deshalb in Krippen verbreiteter als in Kindergartengruppen.


Die Grundsätze der Pikler-Pädagogik

Unabhängig von der jeweiligen Ausgangssituation ist es wichtig, die Grundsätze der Pikler-Pädagogik zu kennen. Emmi Pikler sah viele Erziehungsversuche als nicht angemessen an und erkannte darin vielmehr Maßnahmen, die der kindlichen Entwicklung im Wege standen. Durch die Erforschung der Natur der kindlichen Entwicklung erkannte sie das enorme Potenzial, das in jedem Kind steckt.

Das Ziel der Pikler-Pädagogik ist es seit jeher, dieses Potenzial auszuschöpfen und den natürlichen Ausdruck von Kindern zu erhalten. Auf diese Art und Weise sollen die Kinder zu selbständigen und gesunden Menschen heranwachsen. Damit dies gelingt, setzt die Pikler-Pädagogik vor allem auf einen engen Bezug zur Natur. Geht dieser verloren, entwickelt der Mensch ein gestörtes Verhältnis zu seiner Umwelt und auch sich selbst.

Die Pädagogik nach Emmi Pikler wollte damals neue Wege gehen und nahm Abstand von Altbekanntem. Stattdessen wurden die folgenden Elemente zum Kern des pädagogischen Ansatzes der Pikler-Pädagogik:

  • Pflege und Kommunikation
    Die erste Säule der Pikler-Pädagogik kombiniert die Pflege mit der Kommunikation. So soll bei alltäglichen Dingen wie dem Baden, Ankleiden oder Füttern die Beziehung durch einen liebevollen Umgang gepflegt werden. Zudem handelt es sich um Gelegenheiten zur Kommunikation, die so wichtig ist für die positive Entwicklung des Kindes.
  • Bewegungsentwicklung
    Haltungsprobleme und motorische Defizite sind Beispiele für die möglichen Folgen einer unzureichenden Bewegungsentwicklung. Diese sollte schon früh gefördert werden und schafft die Basis für Eigenständigkeit. Das autonome Potenzial des Kindes kann sich hier aber nur entwickeln, wenn ihm dafür Zeit und Raum gegeben werden. So sollte man sich nicht unter Druck setzen lassen, weil das Kind beispielsweise noch nicht läuft, obwohl andere Kinder in diesem Alter bereits so weit sind. Die Pikler-Pädagogik vertritt die Ansicht, dass die Kinder ein eigenes Tempo im Bereich der Bewegungsentwicklung haben, das ihnen auch unbedingt zugestanden werden sollte.
  • Freies Spiel
    Zuhause und auch im Kindergarten muss nicht jedes Spiel pädagogisch wertvoll sein und einem didaktischen Konzept folgen. Kinder sollten Kinder sein dürfen und sich dementsprechend frei entfalten können. Genau aus diesem Grund legt die Pikler-Pädagogik besonderen Wert auf das freie Spiel.

Reizüberflutungen durch unterschiedlichste Spielzeuge und Aktivitäten haben in der Pikler-Pädagogik keinen Platz. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Pikler-Kindergarten spielzeugfrei ist. Es kommen vielmehr nur ausgewählte und pädagogisch wertvolle Spielzeuge zum Einsatz, die der kindlichen Entwicklung nicht im Wege stehen, sondern die frühkindliche Entwicklung fördern. Insbesondere die Beschränkung auf wenige Spielzeuge und kommunikative Aktivitäten prägen den Alltag in einem Kindergarten, der der Pikler-Pädagogik folgt.


Die zwei Säulen

Freie Bewegungsentwicklung

Ein Kind wird nicht in eine Position gebracht, die es nicht selbst einnehmen kann. Also kein Hinsetzen, bevor es sich selbst aufsetzt, kein Laufenüben an den Händen. Der Gedanke: Wer selbst in eine Lage kommt, kommt auch selbst wieder heraus - und hat dabei gelernt, seinem Körper zu trauen.

Dazu gehört Bewegungsmaterial wie das Pikler-Dreieck, eine Kletterleiter, an der Kinder selbst entscheiden, wie hoch sie steigen.

Beziehungsvolle Pflege

Wickeln, Anziehen und Füttern gelten nicht als Unterbrechung, sondern als die wichtigsten Momente des Tages. Die Fachkraft kündigt an, was sie tut, wartet auf eine Reaktion und lässt das Kind mitwirken - den Arm heben, das Bein strecken. Aus einer Verrichtung wird ein Dialog.


Häufige Fragen

Ab welchem Alter ist der Ansatz gedacht?

Vor allem für die ersten drei Jahre. In Krippen ist er deshalb häufiger anzutreffen als in Kindergartengruppen.

Darf man ein Kind wirklich nicht hinsetzen?

Der Ansatz rät davon ab, solange es sich nicht selbst aufsetzen kann. Der Gedanke ist, dass ein Kind nur Positionen einnehmen sollte, aus denen es selbst wieder herausfindet.

Was ist ein Pikler-Dreieck?

Eine Kletterleiter in Dreiecksform, an der Kinder selbst bestimmen, wie hoch sie steigen. Sie wird nicht erklärt, sondern nur bereitgestellt.