Erzieher - Ein Beruf auch für Männer
Von der kindergarten.info-Redaktion
Im Kindergarten trifft man vornehmlich Frauen an, die als Erzieherinnen tätig sind und dementsprechend die pädagogische Betreuung der Kinder übernehmen. In vielen Einrichtungen ist nicht ein Mann tätig, so dass man auch in Zeiten der Gleichberechtigung noch von einem klassischen Frauenberuf sprechen kann.
Auf dieser Seite
- So sollen männliche Erzieher gefördert werden
- Weshalb sind Männer im Erziehungswesen so selten vertreten?
- Warum sind männliche Erzieher so wichtig?
- Wie es um den Anteil steht
- Warum das mehr als eine Statistik ist
- Was Männern den Einstieg erschwert
- Häufige Fragen
- Wie hoch ist der Männeranteil in Kitas?
- Gibt es Vorbehalte gegenüber Männern im Beruf?
Während die klischeebasierten Geschlechterrollen in vielen Bereichen längst der Vergangenheit angehören, haben diese im Erziehungswesen offensichtlich noch Bestand. Dass in den Kindergärten sowie in der Tagespflege kaum Männer tätig sind, ist jedoch nicht gewollt und ein Resultat der veralteten Geschlechterklischees. Es braucht Zeit, an diesen zu rütteln und nachhaltige Veränderungen herbeizuführen. Der Prozess ist aber bereits in vollem Gange, denn es gibt verschiedene Bestrebungen, mehr Männer für den Beruf des Erziehers zu begeistern.
So sollen männliche Erzieher gefördert werden
In technischen, handwerklichen und auch naturwissenschaftlichen Berufsfeldern sind Frauen relativ selten vertreten und werden daher vielfach gezielt gefördert. Im sogenannten Care-Bereich ist dies allerdings nicht erforderlich, denn hier arbeiten Frauen vielfach unter sich. Dies liegt zu einem wesentlichen Teil an den traditionellen Geschlechterklischees, die der Frau eine kümmernde und pflegende Rolle zusprechen.
Auch heute ist dies noch der Fall, weshalb sich vornehmlich Frauen für den Erzieherberuf entscheiden. Dass der Verdienst im sozialen Bereich nicht allzu üppig ausfällt, ist ein weiterer Punkt, der die Attraktivität des Erzieherberufs schmälert.
Als Mann kann man somit einige Argumente finden, die gegen den Erzieherberuf sprechen. Allein schon die Tatsache, dass eine solche Berufswahl häufig belächelt oder ungläubig aufgenommen wird, hält viele Männer davon ab, Erzieher zu werden. Die gesetzlich verankerte Aufteilung des Elterngeldes ist allerdings ein gutes Beispiel dafür, dass die Rolle des Mannes in der Kindererziehung mehr und mehr anerkannt und gefördert wird. Dass Väter ebenfalls in Elternzeit gehen, wird demnach zunehmend gesellschaftlich akzeptiert.
Im professionellen Erziehungswesen wird sich diese Entwicklung ebenfalls bemerkbar machen, braucht aber noch Zeit. Die aktive Ansprache männlicher Interessenten, die zunehmende Akzeptanz von männlichen Erziehern und das stärkere Bewusstsein für Vielfalt in jeglicher Form schaffen die Basis dafür, dass mehr und mehr Männer in den Kindergärten arbeiten. Nur so lassen sich altbackene Geschlechterrollen nachhaltig abbauen, denn durch weibliche und männliche Erzieher/innen wird den Kindern eine Gleichberechtigung der Geschlechter bestmöglich vorgelebt.
Weshalb sind Männer im Erziehungswesen so selten vertreten?
Im privaten Bereich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass nicht nur die Mütter, sondern auch die Väter wichtige Parts der Kindererziehung übernehmen. Im Idealfall agieren Mann und Frau gemeinsam als Team und sind als Eltern gleichermaßen für ihren Nachwuchs da.
Im professionellen Erziehungswesen hat sich diese Haltung dahingegen noch relativ wenig durchgesetzt, so dass Männer als Erzieher nach wie vor Exoten sind. Dies liegt keineswegs an ihrer mangelnden Eignung für den Beruf, sondern an der Tatsache, dass soziale Tätigkeiten unter Berücksichtigung der klassischen Rollenbilder eher den Frauen zugesprochen werden. Erzieherin ist demnach ein klassischer Frauenberuf, wie auch viele andere Tätigkeiten im sogenannten Care-Bereich.
Männern fehlt es im Erziehungswesen vielfach an Vorbildern, während zugleich die gesellschaftliche Akzeptanz nicht immer vollkommen gegeben ist. Die Berufswahl wird bei männlichen Erziehern vielfach hinterfragt oder sogar belächelt, weshalb es auch Mut braucht, um als Mann Erzieher zu werden.
Warum sind männliche Erzieher so wichtig?
Männer müssen im Erzieherberuf einige Hürden nehmen und Hindernisse überwinden. Nichtsdestotrotz darf man nicht den Fehler machen, ihnen die Befähigung abzusprechen. Männliche Erzieher sind zwar gewissermaßen Mangelware, werden aber dringend benötigt. Männliche Bezugspersonen sind nicht nur zuhause, sondern auch in der Kita von großer Bedeutung.
Zudem kann ein Mann als Erzieher unter seinen weiblichen Kolleginnen andere Sichtweisen vertreten und ihre Arbeit optimal ergänzen. In Anbetracht der Tatsache, dass viele Kinder bei alleinerziehenden Müttern aufwachsen, kann ein Erzieher im Kindergarten die Lücke einer männlichen Bezugsperson zumindest ein stückweit schließen.
Männer vertreten oftmals andere Perspektiven in der Erziehung und sind daher nicht nur als Väter, sondern auch als Erzieher gefragt. Außerdem besteht im Erziehungswesen ohnehin ein akuter Fachkräftemangel, weshalb nicht nur Frauen, sondern auch Männer dringend gebraucht werden, um die Lücken zu schließen und für ausreichend Personal in der Kita zu sorgen.
Wie es um den Anteil steht
Der Anteil der Männer am pädagogischen, Leitungs- und Verwaltungspersonal in Kitas lag am 1. März 2026 bei 8,6 Prozent - 68.700 von 799.500 Beschäftigten (Statistisches Bundesamt). 2015 waren es noch rund 5 Prozent: Der Anteil steigt stetig, aber von einem niedrigen Ausgangspunkt. In der Kindertagespflege liegt er bei 4,6 Prozent. In Grossstädten ist er höher als auf dem Land, in Horten höher als in der Krippe.
Warum das mehr als eine Statistik ist
- Kinder erleben, dass Fürsorge nicht an ein Geschlecht gebunden ist.
- Für Kinder, die ohne Vater aufwachsen, ist eine männliche Bezugsperson im Alltag selten geworden.
- Gemischte Teams bringen unterschiedliche Zugänge - beim Toben ebenso wie beim Trösten.
Was Männern den Einstieg erschwert
Genannt werden regelmäßig drei Punkte: das Gehalt, das Ansehen des Berufs - und der Generalverdacht. Letzterer ist der heikelste: Männliche Fachkräfte berichten, beim Wickeln oder Trösten stärker beobachtet zu werden.
Einrichtungen begegnen dem am besten mit klaren Regeln, die für alle gelten: Wie wird gewickelt, wer geht mit aufs WC, wie wird mit Nähe umgegangen. Ein Schutzkonzept, das für das ganze Team gilt, schützt Kinder und Fachkräfte zugleich - und nimmt dem Misstrauen die Grundlage. Wo Regeln nur für Männer gelten, entsteht das Gegenteil.
Wege in den Beruf beschreibt der Beitrag Umschulung zum Erzieher.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Männeranteil in Kitas?
Bei 8,6 Prozent (März 2026), mit steigender Tendenz. In Städten und in Horten ist er höher als auf dem Land und in der Krippe.
Gibt es Vorbehalte gegenüber Männern im Beruf?
Sie werden berichtet, vor allem bei Pflegesituationen. Klare Regeln, die für das gesamte Team gelten, sind der wirksamste Umgang damit.
