Situationsorientierter Ansatz nach Armin Krenz
Von der kindergarten.info-Redaktion · zuletzt bearbeitet im August 2026
Kindergärten sind keine bloßen Bewahranstalten für Kleinkinder, sondern pädagogische Einrichtungen mit einem adäquaten Förderansatz. Kennzeichnend für die Kindergartenpädagogik ist demnach die Tatsache, dass die Betreuung und Förderung der Kindergartenkinder Hand in Hand gehen.
Auf dieser Seite
- Die Geschichte des situationsorientierten Ansatzes
- Eindrücke und Ausdruck im Kindergarten mit situationsorientiertem Ansatz
- Die Basis des situationsorientierten Ansatzes
- Situationsorientierter Ansatz und Situationsansatz im Vergleich
- Der Ansatz nach Armin Krenz
- Wie das praktisch aussieht
- Häufige Fragen
- Worin unterscheidet er sich vom Situationsansatz?
- Braucht es dafür besondere Verfahren?
Die Geschichte des situationsorientierten Ansatzes
Obwohl der situationsorientierte Ansatz gewisse Parallelen zum Situationsansatz aufweist und nicht selten mit diesem verwechselt wird, ist darin ein eigenständiges pädagogisches Konzept zu sehen. Dessen Geschichte reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. In den 1990er-Jahren gewann der situationsorientierte Ansatz im Bereich der Kindergartenpädagogik vermehrt an Bedeutung und konnte sich so als einer der mittlerweile zahlreichen Ansätze der Elementarpädagogik etablieren.
Viele Pädagogen sehen darin im Übrigen nicht nur ein Konzept aus der Vergangenheit, sondern auch einen für die Zukunft der Kindergartenpädagogik wegweisenden Ansatz. Professionalität, Wissenschaftlichkeit und die besondere Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder sind zentrale Säulen des situationsorientierten Ansatzes, der dementsprechend auch eine hohe Zukunftsorientierung aufweist. Dass sich dieser weiterentwickelt und nicht auf dem Stand der 80er- oder 90er-Jahre stehenbleiben kann, steht dabei außer Frage.
Eindrücke und Ausdruck im Kindergarten mit situationsorientiertem Ansatz
Der gegenwärtige Ausdruck des Kindes, der sich unter anderem in seinen Bewegungen, Träumen, Spielen und sonstigen Verhaltensweisen zeigt, wird im Rahmen des situationsorientierten Ansatzes als Resultat der in der Vergangenheit gesammelten Eindrücke betrachtet. Vereinfacht lässt sich das aktuelle Verhalten eines Kindes somit durch dessen Erlebnisse und Erfahrungen erklären. Die Lebenswelten der Kinder werden demnach in den Fokus gerückt, so dass anders als bei anderen pädagogischen Konzepten die Sichtweise der Erwachsenen nachrangig ist. Stattdessen werden in Kindergärten mit situationsorientiertem Ansatz regelmäßig Projekte initiiert, die sich mit den Themen befassen, die den Kindern gewissermaßen unter den Nägeln brennen.
Verschiedene parallele Projekte bestimmen den Kindergartenalltag und arbeiten die Themen der Kinder auf. Es geht also nicht so sehr darum, etwaige Bildungsziele zu erreichen, sondern vielmehr darum, den Interessen der Kinder gerecht zu werden und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.
Die Basis des situationsorientierten Ansatzes
Erlebte Situationen aus der Gegenwart werden im Zuge des situationsorientierten Ansatzes aufgegriffen, so dass die Kinder das Erlebte besser verarbeiten können. Daraus soll sich dann eine bestmögliche Entwicklung ergeben, die vor allem der nahezu permanenten Reizüberflutung der Gegenwart entgegentritt. Dabei weist der situationsorientierte Ansatz ein hohes Maß an Wissenschaftlichkeit auf und bezieht seine Basis aus den folgenden Disziplinen:
- Bildungsforschung
- Bindungsforschung
- Hirnforschung
Insgesamt wird der situationsorientierte Ansatz den humanistischen Konzepten der Kindergartenpädagogik zugeordnet, weil er das humanistische Weltbild zu seiner Basis erklärt. Weiterhin spielen Werte wie Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft wesentliche Rollen und haben stets Anteil an der praktischen Arbeit nach dem situationsorientierten Ansatz. Selbstbildung, Wahrnehmungsoffenheit und soziale Kompetenzen sind essenzielle Grundlagen und sollen aktiv gefördert werden, um den Kindern eine positive Entwicklung und größtmögliche Lebensfreude zu bescheren.
Situationsorientierter Ansatz und Situationsansatz im Vergleich
Wenn vom situationsorientierten Ansatz die Rede ist, besteht stets eine gewisse Verwechslungsgefahr mit dem Situationsansatz. Es handelt sich jedoch um zwei unterschiedliche pädagogische Konzepte, weshalb eine exakte Abgrenzung unerlässlich ist.
So sollte man wissen, dass der situationsorientierte Ansatz im Gegensatz zum Situationsansatz keinen didaktischen Schwerpunkt aufweist. Die Eindrücke der Kinder stehen stattdessen im Fokus, so dass eine Aufarbeitung der Vergangenheit den Kern dieses Konzeptes ausmacht. Beim Situationsansatz geht es im Gegensatz dazu eher darum, die Kinder für die Zukunft zu rüsten.
Der Ansatz nach Armin Krenz
Der situationsorientierte Ansatz wurde maßgeblich von Armin Krenz ausgearbeitet. Er setzt beim einzelnen Kind an: Was beschäftigt es gerade, welche Erfahrungen bringt es mit, was drückt es in seinem Spiel aus? Erst daraus ergibt sich, welche Angebote sinnvoll sind.
Der Unterschied zum Situationsansatz liegt in der Blickrichtung: Dort geht es um Situationen aus dem gesellschaftlichen Umfeld, hier um die Lebensgeschichte des einzelnen Kindes.
Wie das praktisch aussieht
- Beobachten. Die Fachkraft hält fest, was ein Kind wiederholt tut, malt oder im Rollenspiel darstellt.
- Deuten im Team. Auffälligkeiten werden gemeinsam besprochen, nicht von einer Person allein gedeutet.
- Handeln. Aus dem Verstandenen entsteht ein Angebot - ein Projekt, eine Geschichte, eine veränderte Raumgestaltung.
Ein Kind, das über Wochen Abschiedsszenen nachspielt, verarbeitet womöglich einen Umzug oder eine Trennung. Der Ansatz nimmt solche Zeichen ernst, statt sie zu übergehen.
Grundlage ist eine sorgfältige Beobachtung - ohne sie bleibt der Ansatz Behauptung. Welche Verfahren dafür in Frage kommen, steht unter Dokumentation im Kindergarten.
Häufige Fragen
Worin unterscheidet er sich vom Situationsansatz?
Er geht vom einzelnen Kind und seiner Lebensgeschichte aus, nicht von Situationen im gesellschaftlichen Umfeld der Gruppe.
Braucht es dafür besondere Verfahren?
Erforderlich ist vor allem eine regelmäßige, festgehaltene Beobachtung. Ohne sie fehlt die Grundlage, denn die Themen der Kinder lassen sich nicht erraten.