Beliebte Erziehungsstile und ihre Wirkungsweisen
Von der kindergarten.info-Redaktion
Für viele Mütter und Väter ist die Kindererziehung zunächst eine intuitive Angelegenheit. Sie wachsen in ihre Elternrolle hinein und verlassen sich auf ihr Bauchgefühl. Zugleich existieren einige beliebte Erziehungsstile, die eine gelungene Erziehung versprechen. Eltern wünschen ihrem Nachwuchs nur das Beste und befassen sich daher vielfach mit Erziehungsratgebern. Dabei stoßen sie auf verschiedene Erziehungsstile, die auch für die Arbeit von pädagogischen Fachkräften relevant sein können.
Auf dieser Seite
- Die vier Erziehungsstile
- Der autoritative Erziehungsstil
- Der autoritäre Erziehungsstil
- Der vernachlässigende Erziehungsstil
- Der verwöhnende Erziehungsstil
- 5 Tipps für die Kindererziehung
- Checkliste: Darauf kommt es in der Kindererziehung an
- Was sind die typischen Fehler in der Kindererziehung?
- Welcher Erziehungsstil ist der beste?
- Achtung! Tipp aus der Redaktion
- Scheuen Sie sich nicht, eine Erziehungsberatung in Anspruch zu nehmen!
- Die vier Stile nach Baumrind
- Was das im Alltag bedeutet
- Erziehungsstil in der Kita
- Häufige Fragen
- Welcher Erziehungsstil ist der beste?
- Was unterscheidet autoritär von autoritativ?
- Schadet es, wenn Kita und Elternhaus unterschiedlich erziehen?
Grundsätzlich sollten Eltern, Lehrer/innen und Erzieher/innen wissen, was unter einem Erziehungsstil zu verstehen ist. Dieser lässt sich als Gesamtheit aller Verhaltensweisen und Ansichten definieren, die Erziehende an den Tag legen. Psychologische, soziologische und pädagogische Aspekte fließen hier gleichermaßen ein. Die erzieherische Grundhaltung ist demnach das wesentliche Merkmal des Erziehungsstils.
Die vier Erziehungsstile
Wenn es um Erziehungsstile geht, ist üblicherweise von den vier Erziehungsstilen nach Macoby und Marton die Rede. Demnach gibt es vor allem vier dominierende Erziehungsstile, die sich differenzieren lassen. Im Folgenden finden sich dazu weiterführende Informationen.
Der autoritative Erziehungsstil
Im Rahmen eines autoritativen Erziehungsstils üben die Erziehenden viel Kontrolle aus. Zugleich wird großer Wert auf ein vertrauensvolles Verhältnis gelegt. Ein liebevoller Umgang ist somit ebenso wie ein autoritärer Ansatz kennzeichnend für den autoritativen Erziehungsstil. Dadurch fühlen sich die Kinder ernst genommen und geliebt, während ihnen zugleich Grenzen aufgezeigt werden.
Der autoritäre Erziehungsstil
Beim autoritären Erziehungsstil steht die Kontrolle der Erziehenden im Fokus. Diese geben strikte Regeln vor, die zu befolgen sind. Kinder, die sich dagegen auflehnen oder anderweitiges unerwünschtes Verhalten zeigen, werden bestraft, während erwünschtes Verhalten belohnt wird. Dadurch wird die freie Entfaltung des Kindes eingeschränkt, was sich wiederum negativ auf das Selbstwertgefühl sowie die Sozialkompetenz auswirken kann.
Der vernachlässigende Erziehungsstil
Eltern, die einen vernachlässigenden Erziehungsstil an den Tag legen, üben zwar keine starke Kontrolle aus, erscheinen aber auch wenig interessiert. Ihr Verhalten kann als zurückweisend oder distanziert beschrieben werden. Kinder leiden sehr unter einer solchen Erziehung, da sie kein angemessenes Bindungsverhalten lernen können.
Der verwöhnende Erziehungsstil
Im Falle des verwöhnenden Erziehungsstils geht es den Eltern vor allem um ein vertrauensvolles und liebevolles Verhältnis zum Kind. Dabei üben sie kaum Kontrolle aus und legen stattdessen eine hohe Akzeptanz an den Tag. So werden den Kindern keine Grenzen gesetzt, was für die Entwicklung jedoch sehr wichtig ist. Hier fehlt es somit vielfach an Struktur.
5 Tipps für die Kindererziehung
Erzieher/innen und Lehrer/innen werden im Rahmen der Ausbildung beziehungsweise des Studiums auf die pädagogische Arbeit vorbereitet und erlangen so fundierte Fachkompetenz. Eltern müssen dahingegen in ihre neue Rolle hineinwachsen. Die folgenden Tipps zur Kindererziehung können daher hilfreich sein.
- Setzen Sie auf Regeln und Konsequenz!
- Gehen Sie auf das Kind ein und hören Sie ihm zu!
- Nehmen Sie Konflikte nicht persönlich!
- Pflegen Sie ein vertrauensvolles Verhältnis zu Ihrem Kind!
- Holen Sie sich bei Bedarf fachlichen Rat!
Checkliste: Darauf kommt es in der Kindererziehung an
Dass die Kindererziehung eine große Herausforderung ist, steht außer Frage. Wenn aus dem Säugling ein Kleinkind wird und dieses weiter heranwächst, ist eine angemessene Erziehung angezeigt. Dabei kommt es vor allem auf die folgenden Punkte an:
- Vertrauen
- Verständnis
- Einfühlungsvermögen
- Akzeptanz
- Geduld
- Konsequenz
- Liebe
Was sind die typischen Fehler in der Kindererziehung?
Fehlende Konsequenz, ein Übermaß an Kontrolle oder auch fehlendes Interesse sind typische Fehler in der Kindererziehung. Eltern sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und bestmögliche Bedingungen für das Heranwachsen ihrer Kinder schaffen.
Im Allgemeinen ist ein gesundes Mittelmaß der richtige Weg. Bei Problemen sollten sich Familien rechtzeitig Hilfe suchen, denn mit der richtigen Unterstützung kann man die Kindererziehung in den Griff bekommen.
Welcher Erziehungsstil ist der beste?
Angesichts der verschiedenen Erziehungsstile und der Bedeutung der Kindererziehung stellen sich Eltern immer wieder die Frage nach der besten Methode. Im Allgemeinen fördert ein vertrauensvolles und liebevolles Verhältnis mit dem richtigen Maß an Kontrolle und Regeln die positive Entwicklung von Kindern.
Somit könnte der autoritative Erziehungsstil als bester Erziehungsstil bezeichnet werden. Eine Erziehung, die strikt nach Plan verläuft und keine Rücksicht auf die Individualität des Kindes nimmt, ist aber nie die optimale Lösung. Die Bedürfnisse des Kindes sollten daher stets Beachtung finden.
Achtung! Tipp aus der Redaktion
Die Kindererziehung ist eine große Aufgabe, die Eltern meistern müssen. Elternratgeber, pädagogische Konzepte und Erziehungsstile können sehr hilfreich sein und Orientierung bieten. Zugleich sollten Eltern auch den folgenden Tipp aus unserer Redaktion beherzigen.
Scheuen Sie sich nicht, eine Erziehungsberatung in Anspruch zu nehmen!
Verantwortungsbewusste Eltern, die ihren Kindern einen bestmöglichen Start ins Leben ermöglichen möchten, sollten Schwierigkeiten in der Erziehung nicht als eigenes Versagen interpretieren. Stattdessen sollten sie in Erwägung ziehen, eine Erziehungsberatung in Anspruch zu nehmen.
Im Gespräch mit Außenstehenden können sie die Herausforderung der Kindererziehung ansprechen und aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Mitunter erhalten sie auch Tipps und andere Hilfestellungen für die Zukunft. So kann das Familienleben noch harmonischer funktionieren.
Die vier Stile nach Baumrind
Die verbreitetste Einteilung geht auf die Psychologin Diana Baumrind zurück. Sie unterscheidet nach zwei Größen: wie viel Zuwendung Erwachsene geben und wie viel Führung sie ausüben.
| Stil | Zuwendung | Führung | Wie es sich zeigt |
|---|---|---|---|
| autoritär | gering | hoch | Regeln ohne Begründung, Gehorsam steht im Vordergrund |
| autoritativ | hoch | hoch | klare Grenzen, aber erklärt - und das Kind darf widersprechen |
| permissiv | hoch | gering | viel Wärme, wenig Struktur; Grenzen werden aufgeweicht |
| vernachlässigend | gering | gering | wenig Anteilnahme, wenig Regeln |
Untersuchungen weisen dem autoritativen Stil die günstigsten Ergebnisse zu: Kinder entwickeln eher Selbstvertrauen, kommen mit Regeln zurecht und können eigene Meinungen vertreten. Der Unterschied zum autoritären Stil liegt nicht in der Zahl der Regeln, sondern darin, ob sie begründet werden.
Was das im Alltag bedeutet
- Grenzen setzen und erklären. „Wir gehen jetzt, weil das Essen fertig ist" statt „weil ich es sage".
- Widerspruch zulassen. Ein Kind darf eine Regel doof finden, ohne dass sie fällt.
- Wenige Regeln, die gelten. Zehn Regeln, von denen fünf verhandelbar sind, verwirren mehr als drei feste.
- Verhalten benennen statt das Kind. „Das hat wehgetan" statt „du bist gemein".
Erziehungsstil in der Kita
In der Einrichtung geht es weniger um den Stil einer einzelnen Fachkraft als um eine gemeinsame Haltung: Wenn eine Kollegin etwas erlaubt, was die andere verbietet, lernt ein Kind vor allem, wen es fragen muss. Genau deshalb gehören Grundsätze in die Konzeption und werden im Team besprochen - siehe Reflexionsmethoden.
Hinzu kommt: Kinder erleben zu Hause und in der Kita oft unterschiedliche Stile. Das ist kein Problem, solange beide Seiten verlässlich sind. Kinder unterscheiden früh, welche Regeln wo gelten.
Häufige Fragen
Welcher Erziehungsstil ist der beste?
Nach dem Stand der Forschung der autoritative: viel Zuwendung und klare Führung. Entscheidend ist, dass Regeln begründet werden und Widerspruch erlaubt ist.
Was unterscheidet autoritär von autoritativ?
Nicht die Zahl der Regeln, sondern ihre Begründung. Autoritär heißt Gehorsam ohne Erklärung, autoritativ heißt klare Grenzen mit Erklärung.
Schadet es, wenn Kita und Elternhaus unterschiedlich erziehen?
In der Regel nicht, solange beide Seiten in sich verlässlich sind. Kinder lernen früh, welche Regeln wo gelten.
